"Mach mal Zukunft!"

Um partizipative Jugendprojekte in der Eine Welt-Arbeit ging es bei einer Fachtagung der agl in Münster/Westfalen am 11. und 12. November 2010. 50 AkteurInnen und junge MultiplikatorInnen der Eine Welt-Jugendarbeit setzten sich gemeinsam mit den Möglichkeiten der viel geforderten Partizipation auseinander.

 

 

Eine ausführliche Fassung der folgenden Kurzdokumentation mit Tagungsergebnissen und Best Practice-Beispielen wird derzeit als Handreichung aufgearbeitet und im Frühjahr 2011 veröffentlicht.

Hier können Sie den Tagungsflyer als pdf herunterladen.



Ziele und Erwartungen

 

„Warum eigentlich wollen wir, dass Jugendliche sich partizipativ zu Eine Welt Themen engagieren? Weil es gerade gefördert wird? Weil der Verein neue, junge Mitglieder braucht?" Zu dieser provokanten Einleitung durch Martin Weber vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein bildeten sich kleine Teams, die zu Grundlegendem ihre Gedanken austauschten. Hier einige Fragen und die breite Fülle der Antworten.

 

 

Youth Typology | Einführung zu Forschungsergebnissen der UN-Studie

Jugendtypen: von "Ich rette die Welt" bis "Lasst mich in Ruhe"

 

Pey Canlas arbeitet bei UNICEF und lehrt an verschieden Universitäten der Philippinen. Er brachte den TagungsteilnehmerInnen die Ergebnisse der UN-Studie auf sehr partizipative Weise nahe.

 

So wurde u.a. deutlich, dass Jugendliche in Deutschland zwar sehr wohl informiert sind, es ihnen jedoch oftmals an Motivation und Interesse mangelt, sich zu engagieren. Alles wird größer, globaler, unübersichtlicher, und auch die Jugendlichen spüren: hier sind „große Lösungen" nötig. Und ob man diese "stemmen" kann, bezweifeln nicht nur Erwachsene, sondern eben auch Jugendliche. Die junge Generation wird von sich täglich ändernden Anforderungen und ständig zunehmenden Informationsfluten überrollt. Nichts, was gestern noch sicher schien, kann es morgen noch sein: so entsteht eine große Unsicherheit, aber auch die Fähigkeit, sich wandelnden Umständen anzupassen.

 

Wer aber sind eigentlich "die Jugendlichen"? Wie "ticken" sie? Und wie können wir diese Generation dazu motivieren, sich für Politik zu interessieren und sich für Gerechtigkeit zu engagieren?

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"Was geht" bei der Jugend?

Überblick über aktuelle Jugendstudien, Jugendkirchen und Jugendbewegungen

 

Der Hamburger Pastor Michael Haasler vom Kirchlichen Entwicklungsdienst des Nordelbischen Zentrums für Weltmission und Kirchlichen Weltdienst stellte in Kürze relevante Ergebnisse der vom BDKJ -Bundesverband und von MISEREOR in Auftrag gegeben Sinus-Studie „U27" vor. In dieser werden erstmals junge Menschen unter 20 Jahren mit dem Modell der Sinus-Milieus unmittelbar in den Blick genommen. Bei allem Schema und der damit verbundenen Vereinfachung ergeben sich interessante Ansatzpunkte, die helfen können, die Zielgruppe Jugendliche besser zu verstehen.

 

Interessant ist wohl, dass mit 27% die größte Gruppe die der „Performer" ist. Das passt zur anfänglichen Beschreibung der Jugend durch den Vorredner Pey Canlas. Denn die Performer kennzeichnet die starke Fähigkeit, sich anzupassen und zu versuchen, immer das Beste für sich zu erreichen: „Festlegen geht nicht!". Hinzu kommt die Erkenntnis, dass der Begriff „Globalisierung" 98% der Gymnasiasten bekannt ist, noch 80% der Realschüler und immerhin noch 69% der Hauptschüler. In wie weit sie ihn allerdings verstanden haben, bleibt offen.

 

 

Worldcafé | Vier gelungene Best-Practice-Beispiele

 

1. Der Kindergipfel der Naturfreundejugend - vorgestellt durch Jasmin Khalil
http://www.kindergipfel.de/


2. Heiße Zeiten - die Kinder- und Jugendklimakampagne des Eine Welt Netz NRW - vorgestellt durch Daniel Worrings und Cynthia Cichocki
http://www.heisse-zeiten.org/seiten/12/

 

3. Das Jugendbündnis Zukunftsenergien - vorgestellt von Christian Schwarzer und Dominik Duballa von der KLJB
http://www.zukunftsenergie.org/index.php?id=16


4. Lernwerkstatt Globales Lernen für Weltwärts-RückkehrerInen vom Eine Welt Netz NRW: GLOLA - vorgestellt durch Nasti Ott
Infos bei: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 

 

Was macht ein attraktives partizipatives Jugendprojekt aus?

Bürgerschaftliche Partizipation von Jugendlichen

 

Dr. F. Klaus Koopmann, pensionierter Professor der Politikdidaktik im Bereich Sozialwissenschaften der Universitär Bremen bereicherte die Tagung mit seinem analytisch, empirischen Zugang zum Thema Partizipation.

Es gibt ein durchgängiges Muster, wenn man Jugendliche um den Erdball betrachtet, die sich politisch engagieren:

  • Sie haben ein Problem in ihrer direkten Lebenswelt festgestellt,
  • Sie oder ihre Region (Menschen, die ihnen nahe stehen) sind betroffen,
  • Sie glauben an die Stärke einer Gruppe, an Dialog und Kooperation, an ihre Fähigkeit, etwas zu verändern und sie glauben an Politiker und
  • Problemlösungsansätze werden mit anderen im Team entwickelt.

Wenn man das Wort Partizipation in seinem Ursprung betrachtet „partem capere" (lat.), so bedeutet dies: „jemandem einen Teil wegnehmen". Unser Wort „Teilhabe" kommt dem nahe, doch Prof. Koopmann betonte, dass Partizipation nur echt ist, wenn Personen mit Macht diese wirklich zum Teil abgeben und das kann mitunter auch ein schmerzhafter Prozess sein.

Prof. Koopmann unterschied zwischen Instrumenten und Gremien mit, von und für Kinder(n). Und hier gibt es offene (z.B. Runde Tische), repräsentative (z.B. Kinderbürgermeister) und projektorientierte Formen.

Er warb für ein Konzept, in dem die Schule Kindern und Jugendlichen den Raum für Reflexion bietet und die Kommune bzw. in ihr tätige NGO´s das Erprobungsfeld. Dies könnte ein ganzheitlicher und erfolgsversprechender Ansatz sein. Der einzelne Akteur, Schule, Kommune oder NGO sei so in seiner ureigensten Rolle gefragt und würde nicht überfordert.

Deutlich wurde auch, dass Partizipation - wie alles im Leben - zwei Seiten hat. Es gibt Einiges, was kritisch hinterfragt werden kann. Doch die wohl legitimsten Fragen sind die nach entstehenden „Partizipations-Eliten" und den Jugendlichen, die sich nicht beteiligen (können) und nach zusätzlichem bürokratischen Aufwand und damit verbundenen höheren Kosten.

Prof. Koopmann schloss mit der Aussage: „Partizipation kann nicht gelehrt werden, sondern ist vielmehr ein eigenes Lernfeld."

Zum Nachlesen empfiehlt er: http://www.mitarbeit.de/rund_02i_13.html

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Die Perspektive der Basis: Jugendarbeit des Eine Welt Netz NRW


Jens Elmer, Koordinator des Eine-Welt-Netzes NRW für Jugend und Öffentlichkeitsarbeit berichtete vom aktuellen Stand von „OpenGlobe-Das entwicklungspolitische Netzwerk für junge Menschen in NRW". Am 27.11.2010 soll der Startschuss fallen und das Netzwerk soll sich konstituieren. Es richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene in NRW, die sich für entwicklungspolitische Fragen interessieren und engagieren und möchte sich langfristig als Ergänzung zu den bereits etablierten Jugendverbänden im Umweltbereich oder mit konfessionellem Hintergrund verstehen.

Da OpenGlobe erst am Beginn steht, nutze Jens Elmar die Gelegenheit, um auch offene Fragen zu diskutieren und sich Feedback der vielen anwesenden „kritischen Freunden" zu holen.

Hier finden Sie seine Präsentation.

 

Workshops


Im Rahmen von fünf Workshops befassten sich die TagungsteilnehmerInnen intensiv mit ausgewählten Themen der Eine-Welt-Jugendarbeit:
  • Von der Entwicklungshilfe zum gemeinsamen pädagogischen Projekt (Leitung: Harald Kleem - Peer-Leader International)
  • "Blog' mal offline" (Leitung: Dr. Veit Laser - aej)
  • Web 2.0 & Co. (Leitung: Ole Seidenberg - nest e.V.)
  • Hajusom: Performanceprojekt mit jugendlichen Flüchtlingen und MigrantInnen (Leitung: Sofie Olbers - Hajusom)
  • "Jugendlich aktiv", Schwerpunkt "Weltbewusst/Konsum global - Der globalisierungskritische Stadtrundgang" (Leitung: Jochen Dallmer - BUNDjugend, Jens Elmer - Eine Welt Netz NRW)

 

 

Zusammenfassung der Fishbowl-Diskussuion zum Abschluss

 

  • Jedes Mal neu auszuhandeln und individuell festzulegen: wie viel gibt man vor und wie viel Freiraum lässt man den Jugendlichen? Diese Skala ist auch ein Spannungsfeld zwischen voller Teilhabe der Jugendlichen und dem Erfolgsdruck, dass das Projekt pünktlich, öffentlichkeitswirksam und verständlich sein muss.
  • Problem: in den Förderanträgen muss frühzeitig festgelegt werden, welche Themen, Zeiträume und Maßnahmen geplant werden... und Förderer wünschen sich Partizipation von Jugendlichen und Kindern... doch diese ist so nur noch sehr schwer möglich (Jugendliche erfahren früh, dass ihr Gestaltungsraum begrenzt ist)
  • Eine Förderung der Partizipation durch die Teilhabe durch das Web 2.0 geht nur, wenn es auch offline ein ansprechendes Konzept zur Mitgestaltung gibt und der Verein eine Bereitschaft hat, Kontrolle abzugeben und sich (öffentlich!) Feedback zu holen.
  • Wer in der Eine-Welt-Jugendarbeit eine relevante Größe erreichen will, muss über die Schulen gehen. Mit alles Problemen und Kritikpunkten. Die Projektdatenbank des SchoolPool fehlt! Hier konnte man früher gute Projekte für das schulische Umfeld finden. Heute gibt es aber NUA, die Datenbank von „Schule der Zukunft".
  • Das Beispiel Hajusom zeigt: Durch die gemeinsame Choreographie ist bei Hajusom jeder ein Teil des Ganzen, er wirkt mit und wird gehört. Und die Arbeit funktioniert nur, wenn die Gruppe funktioniert. Daher steht das Zwischenmenschliche immer an erster Stelle. Hajusom ist zwar ein Peer-Projekt, doch hier sind die erwachsenen Profis wichtig, um Methoden und Instrumente anzubieten und um diesen Fokus zu bewahren. Doch ebenso wichtig sind Rollenvorbilder: Jugendliche und junge Erwachsene, die selbstbewusst ihren Weg in der einst so fremden Umgebung gehen. Das lässt sich auch auf partizipative Jugendprojekte im Allgemeinen übertragen.
  • Der Weg in Richtung Partizipation ist nicht anders als Entwicklungszusammenarbeit im Allgemeinen: Man schaut nach außen und lernt am meisten über sich selbst. Ebenso erfahren Vereine sehr viel über sich, wenn sie sich ernsthaft im Sinne der Tagung bemühen, Jugendliche einzubeziehen.

 

Bei Fragen und Anregungen zur Tagung und zur Handreichung wenden Sie sich bitte an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .

 

 

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